Anzeige
CeMAT 2018, 23. - 27. April
Startseite>News
IT & Automation

Willkommen, 3-D-Druck! Tschüss, Logistik?

3-D-Drucker haben das Potenzial, die gesamte Wirtschaft zu revolutionieren. Aber wie steht es um ihre Marktreife? Und welche Folgen haben sie für die Logistikbranche?

23.10.2015
3D Drucker_Industrie

Für den sechsjährigen Maxence aus Frankreich war im August ein großer Tag: Zum ersten Mal in seinem Leben warf der Junge, der ohne rechte Hand geboren wurden, mit einer Prothese einen Tennisball. Das besondere daran: Die künstliche Hand stammt aus einem 3-D-Drucker und kostete gerade mal 50 Euro.

Bei der additiven Fertigung im 3-D-Druck wird ein Werkstoff computergesteuert Schicht für Schicht zum fertigen Produkt aufgebaut. Die Flugzeugindustrie nutzt diese Technik bereits seit einigen Jahren ein, weil die produzierten Teile zwar genauso robust sind, wie maschinell hergestellte, aber deutlich leichter. Mittlerweile hat die Fertigung aus dem Drucker aber nahezu alle Teile der produzierenden Industrie erfasst: Von der Zahnkrone über Musikinstrumente bis zum kompletten Auto – selbst Pizza lässt sich mittlerweile drucken. Der Technologie sind anscheinend keine Grenzen gesetzt.

Für die Logistik bedeutet das möglicherweise elementare Umbrüche – wenn auch erst auf lange Sicht. "Bis zu einer Revolution der Weltwirtschaft ist es noch ein weiter Weg", sagt Sebastian Fritz vom 3-D-Drucker-Anbieter Formlabs. Offen sei etwa, ob und wie Massenfertigung mit 3-D-Druck möglich ist. "Kurz- bis mittelfristig wird 3-D-Druck die Produktion von Kleinserien revolutionieren", sagt Fritz. "Hier kann der Herstellungsprozess schon jetzt dezentral stattfinden. Die Produktion von solchen Komponenten verlagert sich vom Massenhersteller auf den eigenen Schreibtisch."

Das Ende für die Logistik?

Läuten 3-D-Drucker damit das Ende der Logistik ein? Keineswegs, sind sich Experten einig . Lediglich die Art der Lagerhaltung und der transportierten Güter ändert sich.

"In der Ersatzteillogistik steht der Logistiker immer vor der Herausforderung, dass Teile lange gelagert und vorgehalten werden müssen. Viele dieser Produkte werden nie gebraucht. Der 3-D-Druck ermöglicht es, dieses Problem zu lösen und vermeidet totes Kapital für die Logistiker", sagt Dr. Markus Kückelhaus , Vice President Innovation & Trend Research, DHL Customer Solutions & Innovation. Weil nur die digitalen Informationen archiviert werden müssen und nicht die kompletten Bauteile, lassen sich Lagerkapazitäten reduzieren. Und letztlich auch der Materialverbrauch.

Die Wege werden kürzer

Gleichzeitig kündigt sich ein Trend zur Individualisierung an. Wo heute noch Massenware geliefert wird, verlangen Kunden zukünftig vermehrt Einzelanfertigungen und personalisierte Produkte. Mit Folgen für die Logistik: Statt fertige Produkte vom Werk zum Händler zu transportieren, löst sich diese starre Struktur auf. Stattdessen stehen womöglich bald 3-D-Drucker in lokalen Endfertigungen, die industriell gefertigte "Made-to-Order"-Bausätze mit individueller Ausstattung verbinden und komplettieren .

Denn für Massenware und Normteile ist der 3-D-Druck gegenüber der konventionellen Fertigung auf absehbare Zeit noch zu teuer . Seine Stärken liegen zunächst vor allem im Ersatzteilgeschäft und für individuelle Klein- und Kleinstserien.

"Die Intralogistik könnte künftig im allerschlimmsten Fall nur noch für die Produktion der Drucker und die Zustellung der 3-D-Druckmaterialien benötigt werden."

Sascha Schmel, Geschäftsführer des Fachverbands Fördertechnik und Intralogistik im VDMA.

Ganz so schlimm dürfte es allerdings wohl nicht werden. Denn die Anzahl der produzierten Güter und die damit benötigten und transportierten Materialien werden insgesamt nicht weniger, sondern eher mehr.

Die Zukunftsstudie "Delivering Tomorrow" von DHL bringt die resultierenden Marktchancen auf den Punkt: „Aufgrund der dezentralen Produktion entwickeln sich schlagkräftige regionale Logistikressourcen und ein hochklassiges Transportnetz für die letzte Meile zum Kunden zu kritischen Erfolgsfaktoren.“

Bis zum "Replikator" aus der Serie "Raumschiff Enterprise" ist es sicher noch ein weiter Weg. Allerdings sollte das kein Grund für die Intralogistik sein, sich zurückzulehnen. Stattdessen gilt es, die Entwicklung genau zu beobachten und immer auf dem neuesten Stand zu sein. Nur so lässt sich der Wandel rechtzeitig antizipieren.

Wie diese Umstellung in den nächsten Jahren gemeistert werden kann, können Sie schon heute auf der CeMAT entdecken.

Jetzt Ticket sichern!

Anzeige