Anzeige
CeMAT 2018, 23. - 27. April
Startseite>News
Industrie 4.0

Selbst ist das Lager

Autonome Transportfahrzeuge erobern die Kommissionierbereiche. Erste Praxisprojekte befinden sich bereits in der Umsetzung.

15.10.2015
Selbst ist das Lager
Der Logistikdienstleister BLG setzt selbstfahrende Regale für seinen Kunden Engelbert Strauss in Frankfurt ein.

Robotisierung

Immer mehr Logistikunternehmen und Lagerbetreiber setzen auf autonom agierende innerbetriebliche Transportsysteme. Denn selbstfahrende Roboter, die im Lager wie von unsichtbarer Hand gelenkt Regale und Waren transportieren, sind vielseitig einsetzbar. Das Unternehmen Grenzebach Automation ist mit G-Com am Markt und hat sich damit technisch mit an die Spitze gesetzt – mit einem System aus mobilen Regalen, die von kleinen Robotern namens "Carrys" unterfahren, angehoben und automatisch zur Pick-Station und nach der Entnahme von Artikeln wieder zurück ins Lager transportiert werden. Unterschiedliche Regaltypen stellen sicher, dass verschiedenartigste Artikel – von Kleinteilen bis Hängeware – platzsparend und sicher gelagert werden. Denn gerade im E-Commerce wird es in Zukunft immer mehr darauf ankommen, schnell und flexibel auf sich dynamisch veränderte Anforderungen in der Intralogistik zu reagieren. Handelsunternehmen und ihre Kunden erwarten von der Logistik eine hohe Wandelbarkeit und Flexibilität des Materialflusses sowie der gesamten logistischen Abwicklung, um auf veränderte Umfeldbedingungen zeitnah reagieren zu können.

LogiMover Controller Eisenmann

Grenzebach und Eisenmann zählen zu den Vorreitern der Branche

Die Regale sind in ihrer Aufteilung völlig variabel und können somit unterschiedlichster Abmessungen und Gewichte sowie hängende Konfektion lagern. Damit sind sie auch bei sehr heterogenen und sich häufig verändernden Sortimenten flexibel einsetzbar. Und auch unter ergonomischen Gesichtspunkten ist die Station ohne große körperliche Belastung schnell und effizient bedienbar - bei gleichzeiter Reduzierung des Kommissionieraufwands gegenüber einer konventionellen Lösung um bis zu 70 Prozent. Vor dem Hintergrund des demografischen Wandels eine nicht zu vernachlässigende Anforderung an ein auf die Zukunft ausgerichtetes Logistiksystem.

Als "Gabel ohne Stapler" beschreibt die Böblinger Firma Eisenmann ihr Doppelkufensystem "LogiMover", das aus zwei sich parallel bewegenden Gabeln besteht, die flach am Boden entlangfahren und selbstständig beispielsweise Paletten ausfindig machen, ansteuern, anheben und an einen anderen Lagerplatz transportieren. Das Flurfördermittel integriert sämtliche Antriebskomponenten sowie die Energieversorgung kompakt in den beiden parallel und ohne feste Verbindung agierenden Transportkufen. Abweichend von den bisher bekannten Systemen kann es ohne aufwendige Anlageinstallationen und komplexe Inbetriebnahmen genutzt werden. Die Paletten können ohne Ladehilfsmittel direkt vom Boden aufgenommen werden – das spart Zeit und Platz, da auf Umsetzvorgänge verzichtet werden kann.

Durch die kompakte Bauform und die hohe Beweglichkeit ist zudem ein Rangieren auf engstem Raum möglich. Das System wurde am Institut für Fördertechnik und Logistik der Universität Stuttgart entwickelt. Bisherige Tests bei potenziellen Kunden verliefen laut Eisenmann sehr erfolgreich, die ersten Pilotanwendungen könnten in Kürze realisiert werden.

Kooperative Roboter STILL

STILL setzt Erkenntnisse aus Forschungsprojekt marion ein

Seit mehr als zehn Jahren beschäftigt sich der Hamburger Intralogistikanbieter STILL bereits mit der autonomen Robotik. Die aktive Teilnahme an dem BMWi-Verbundprojekt marion ("Mobile autonome, kooperative Roboter in komplexen Wertschöpfungsketten") habe eine Vielzahl wichtiger Erkenntnisse mit sich gebracht in Bezug auf die Roboterisierung der Arbeitsprozesse mit autonomen Fahrzeugen unter besonderer Berücksichtigung der Kooperation der beteiligten Maschinen. Nach dem Ende von marion 2013 verfolgt STILL das Thema ganz konsequent weiter und setzt gezielt auf die verstärkte Integration autonomer Fahrzeuge in moderne Lager- und Kommissionierabläufe.

"Die Erkenntnisse aus marion haben uns sehr darin bestärkt, in der Intralogistik zukünftig noch stärker auf autonome Transportroboter zu setzen", sagt Volker Viereck, ehemaliger Projektleiter des Forschungsprojektes marion und verantwortlich für das Thema "Autonome Transportroboter" in der Vorentwicklung von STILL. "Denn sie bilden aus unserer Sicht eine wichtige Säule auf dem Weg zur Smart Factory und Industrie 4.0." So stamme beispielsweise die Steuerungsintelligenz des auf der CeMAT 2014 erstmals vorgestellten neuen Konzeptfahrzeugs, des Multifunktions-Flurförderzeugs "cubeXX", komplett aus dem Forschungsprojekt. Und auch in das gemeinsam mit dem Fraunhofer IML, Lanfer Automation GmbH & Co. KG, Linogistix GmbH, Transportanlagen Ryll GmbH, van Eupen und STUTE Logistics GmbH bearbeitete Forschungsprojekt Hub2Move, welches sich dem Thema automatisierter und wandlungsfähiger Materialflusssysteme stellte, floss das Know-how aus marion zu einem ganz entscheidenden Anteil mit ein.

Anzeige