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3D-Druck

Ersetzt 3D-Druck die letzte Meile?

Der 3D-Druck ist auf dem Vormarsch: In der industriellen Fertigung ist das flexible Produktionsverfahren immer häufiger anzutreffen. Aber wie wird es die Logistik verändern?

20.02.2018
3D-Druck

Mit dem Begriff „3D-Druck“ sind in aller Regel sogenannte additive Fertigungsmethoden gemeint, bei denen ein Objekt – meist schichtweise – aus Kunststoff, Keramik oder Metall aufgebaut wird. Es wird also nicht gefräst oder gebohrt, wie bei subtraktiven Verfahren.

Die Vorteile sind neben der breiten Materialauswahl, dass komplexe Strukturen möglich sind, die zudem extrem leicht und stabil sein können. Produkte lassen sich zudem individueller gestalten. Einzelfertigungen von Prototypen und Ersatzteilen sind genauso möglich wie die Serienfertigung. Weil lange Entwicklungsphasen sowie die Herstellung von Spritzgussformen entfallen, braucht es lediglich ein Computermodell, aus dem das Objekt additiv hergestellt wird. Das Ergebnis ist eine Kostenersparnis besonders bei kleinen Stückzahlen.

Nähe zum Endkunden schafft kürzere Transportwege

Die Auswirkungen auf die Logistik prognostiziert die ZF Friedrichshafen AG in ihrer Zukunftsstudie noch sehr vage. Durch den 3D-Druck sei die Produktion nicht mehr an den „Fabrikstandort“ gebunden. Sie verlagere sich stärker in Richtung Endkunde. Es gibt dabei mehrere mögliche Szenarien: Der Handel übernimmt die Produktion und verteilt diese auf viele Filialen, die mit 3D-Druckern ausgestattet sind. Aber auch die Logistikdienstleister selbst könnten den Herstellungsprozess übernehmen, indem sie die bestellten Güter in ihren Filialen drucken. In beiden Fällen werden die Transportwege drastisch verkürzt und Lagerkosten verringert.

Verlagerte Ersatzteilfertigung

Besonders im Bereich der Ersatzteilprodukte gibt es Potenzial, da diese nicht mehr großflächig gelagert werden müssten, sondern in Kundennähe schnell und effizient additiv gefertigt werden können. Gerätehersteller müssen Ersatzteile für ihre diversen Produkte nicht mehr vorrätig halten. Jedes gewünschte Teil lässt sich bei Bedarf anhand der vorliegenden Computerdaten nachbauen. Sofern mit dem Handel vor Ort aber keine Lizenzen zum Nachdrucken der Teile geschlossen werden, wird auch hier weiterhin die Logistik die Transportwege übernehmen.

Eine weitere Variante ist, dass der Kunde sich ein gewünschtes Produkt einfach zu Hause selbst ausdruckt. Dadurch würde sogar die letzte Meile komplett entfallen. Jedoch liegt dieses Szenario noch am weitesten in der Zukunft, da die Drucker im Heimbereich nur eine eingeschränkte Leistungsfähigkeit haben und nicht mit den spezialisierten Geräten im industriellen Einsatz mithalten können. Es bleibt also fraglich, ob die Technik wirklich flächendeckenden Absatz finden wird. Realistisch scheint aktuell allein der Druck kleinerer Ersatzteile, beispielsweise für Möbel oder weiße Ware.

Wirtschaftlichkeit bleibt wichtigstes Kriterium

Obwohl das Potenzial der additiven Verfahren sehr hoch eingeschätzt wird, sind die Auswirkungen auf die Logistik derzeit noch schwer abzuschätzen. Auch in Zukunft wird das Fertigungsverfahren von der Wirtschaftlichkeit abhängen. Additiv hergestellte Bauteile sind für kleine Stückzahlen eine kostengünstige Alternative. Bei großen Stückzahlen hingegen sind die traditionellen Fertigungsmethoden derzeit noch niedriger als der Druck – und damit auch weiterhin ein logistisches Thema.

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