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CeMAT 2018, 23. - 27. April
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3 Fragen an...

Interview mit Prof. Thorsten Schmidt, Professor für Technische Logistik an der TU Dresden

15.03.2016
Thorsten Schmidt

Welches sind aus Ihrer Sicht aktuell die Haupttrends in der Intralogistik?

Prof. Thorsten Schmidt: Die großen und übergreifenden Trends sind sicherlich diejenigen, die strukturverändernd wirken. Auslöser sind dabei die großen Treiber unserer Zeit: digitale Vernetzung, dezentrale Entscheidungsfindung, schneller Wandel der Anforderungen und natürlich Nachhaltigkeit. Und wie eben wenig überraschend, taucht nicht DIE Lösung mit einem Paukenschlag auf, sondern hält allmählich Einzug. Genau das können wir seit einiger Zeit beobachten. Konkret lässt sich das am besten an flexiblen automatischen Systemen beobachten. Aktuell sehe ich hier interessante Entwicklungen im Bereich automatisierter Kleinladungstransportsysteme und der Mensch-Roboter-Kollaboration. Diese Trends werden nicht nur einzelne Funktionen verändern, sondern potenziell zu gänzlich neuen Konzepten beispielsweise in der Kommissionierung führen.

Arbeiten in der Intralogistik irgendwann nur noch Maschinen und keine Menschen mehr?

Es würde zumindest nicht an der technischen Machbarkeit scheitern. Es sind ja bereits in Nischen etwa automatische Kommissioniersysteme im Einsatz und betrachtet man die jüngsten Entwicklungsschritte, ist technisch gesehen absolut vorstellbar, dass auch bislang diffizile Aufgaben wie Einzelteilkommissionierung oder ungeordnete Bereitstellung zukünftig effizient durch Maschinen gelöst werden. Zudem verschwimmen zunehmend die Bereiche, bei denen bislang der Einsatz von manuellen und automatischen Lösungen klar abgegrenzt war. Allerdings arbeiten auch in diesen Systemen Menschen – mit anderem Aufgabenbereich.

Ob dies aber auch auf breiter Front wirtschaftlich umsetzbar sein wird, halte ich für fraglich. Immer kürzere Planungshorizonte, verbunden mit kürzesten Änderungs- und Adaptionserfordernissen, werden an vielen Stellen Grenzen aufzeigen. Auch steht die Realität dem entgegen, denn nach wie vor setzt die überwiegende Anzahl der Systeme auf den Menschen. Abgesehen davon, ab welcher Unternehmensgröße solche Lösungen erfolgreich umsetzbar sind, verbleibt dabei die interessante Frage, wer Gestalter beziehungsweise Eigentümer der Prozesse ist.

Worauf freuen Sie sich auf der CeMAT ganz besonders?

Auf Überraschungen. Neue Lösungen durch andere Herangehensweisen, eben das, was man nicht erwartet. Am meisten auf Innovationen, bei denen man sich nachher fragt, warum man nicht selbst darauf gekommen ist.

Zur Person

Prof. Thorsten Schmidt ist seit 2008 Inhaber der Professur für Technische Logistik an der Technischen Universität Dresden. Seine Tätigkeitsschwerpunkte liegen in der Entwicklung und Gestaltung innerbetrieblicher Produktions- und Logistiksysteme sowie der Entwicklung und Optimierung technischer Gewerke für die innerbetriebliche Materialfluss- und Handhabungstechnik. Aktuelle Forschungsthemen sind effiziente Steuerungsstrategien für den Materialfluss, schnelle Näherungslösungen für die Grobplanung, basierend auf zeitdiskreten Bausteinen, Online-Materialflussanalyse, formale Verifikation von Steuerungslogik, Leistungsuntersuchungen dezentraler und selbstgesteuerter Systeme, Leichtbauansätze in der Bedientechnik und der Verschleiß von Zahnriemen.

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